Leo's Lodge, unsere Neighborhood-Bar. Ringsherum befindet sich ein Parkplatz, eine Waschanlage und eine Tankstelle. Davor die Jolly-Road, fünfspuring ausgebaut. Gegenüber McKing und BürgerDoof. Drinnen ists aber okay. Nach 9pm kommt man nur noch mit Altersnachweis rein.
Als wir gestern Mitternacht vom Derby zurückkamen, sind wir noch rüber, weil wir den Abschied von zwei Kollegen begossen habe, die heute, Samstag, zurückgeflogen sind.
Was einem als Europäer wirklich sauer aufstößt ist nicht nur das amerikanische Bier, sondern auch folgende zwei Tatsachen.
Man bekommt hier die Rechnung ziemlich bald. Ich hatte gestern mein Maß Bier (Labatt Blue - Import aus Kanada, USD 5,50) gerade erstmal angenibbt, da hatte ich schon diskret die Rechnung zugesteckt bekommen. Wohlgemerkt handelt es sich nicht um ein Sofortbezahlen, was man in vollen Kneipen oder Studilokalen findet.
Ich hatte gerade ein zweites Mal genibbt, als sie schon wieder vorbeikam und dieses kleine Lederetui mitnehmen wollte. Beim dritten Mal hatte ich sie dann soweit. Fortan hat sie es ignoriert und liegen gelassen, bis ich ihr es persönlich gegeben hatte.
Dass mag von mir unfair gewesen sein, da sie, so habe ich es von unseren social coaches (die Fraunhofer US-Studenten) erfahren, sich wie erwartet verhalten hat: Nie den Gast auf die Rechnung warten lassen. Notfalls gibts später eben immer ne neue Rechnung. Andererseits fühle ich mich drastisch genötigt innerhalb von 2 Minunten ein Bier zu zahlen, dass ich gerade erstmal angenibbt habe.
Tja man sieht, dass sich zwischen den Kulturen hier unüberwindbare Barrieren aufbauen :)
Die zweite Sache ist: Der Laden macht um 2am zu, weil es so ein Gesetz gibt. Für eine Studentenstadt wie Lansing / East Lansing ist das schon traurig. Aber es soll ja auch Ort mit Ausgehverbot nach 10pm gehen. So gesehen ist ja noch liberal.
Da ganze läuft dann so ab. 2:04am Musik aus, Licht volle Kanne an. Gläser werden erbarmungslos weggeräumt, solange man sie nicht festhält. Tische werden demonstrativ abgewischt und ab 2:10am ruft der Barkeeper regelmäßig rüber: It's time to go.
Diese Aufforderung zeigte bei 10 angetrunkenen Deutschen in Kneipenlaune natürlich wenig Wirkung. Nach weiteren 2 Minunten Bedenkzeit verlor er dann seine Beherschung und schrie uns an, dass wir uns gefälligst vom Acker machen sollen. Das machte er so eindrucksvoll, dass wir nach Abwägung der Konsequenzen dies tatsächlich auch taten.
Angeblich setzt die Polizei diese Verordnung erbarmungslos durch und überlässt es dann dem Kneiper sich seine Kundschaft zu vergraulen.
Zumindest bin ich noch nie so verstört aus einer Kneipe gegangen und versuche gerade meinen Stolz zu überwinden und da wieder hinzugehen. Vermutlich wird mir angesichts der lokalen Alternativen (Milch-Shake bis 11pm bei McDonalds, 24-Instant-Kaffe an der Tanke) aber wohl nichts anderes übrig bleiben.
Der Herbst hat uns erwischt. Zum Glück noch kein deutscher Herbst mit Regen, Nebel und Modergeruch. Bisher wurde es nur richtig plötzlich kalt. Letzte Woche Baden, Segeln. Diese Woche 4 Grad über Nacht. Am späten Nachmittag schafft es die Sonne auch nochmal auf 20 Grad, aber der Wind tut sein übriges.
Mental war ich darauf nicht vorbereitet und ich bin erst am dritten Tag auf die Idee gekommen eine Jacke anzuziehen. Gestern, zum Demo-Derby hatte ich es noch mit mehrlagigen Pullis versucht. Aber mit 3 Pullis auf einer offenen Tribüne windige 5 Grad im Flachland für mehrere Stunden abzuhalten ist nun einfach mal nicht möglich. Auf dem Rückweg habe ich mit Genugtuung festgestellt, dass in meinem Geo die Heizung funktioniert. Sehr schön!
Dem gescheiterten Versuch vom letzten Samstag ein Demo-Derby zu besuchen folgte nun ein erfolgreicher. Freitag nach der Arbeit sprang ich mit Markus ins Auto und fuhr nach Munger, Michigan. Inklusive Staus (ja, sowas gibts hier wirklich) waren wir auch pünktlich halb acht "oben". Das Freitags-Event waren "nur" die Läufe in der Fronttriebler-Klasse. Samstag dann Hecktriebler und V8-Motoren.
Ich schätze mal weitere 500 Leute (Familien, highschoolers, rednecks, vor allem locals) hatten sich im Renngelände eingefunden, was so ziemlich mitten im Nichts lag. Da kam richtig Kansas-Heimweh auf.
Der Schlammplatz ist kleiner als ein Fußballfeld. Pro Rennen fahren etwa 6 Autos in die Arena ein, die ringsrum mit Leitplanken abgezäunt ist. Zwei riesige alte Reifen geben grob die 8-förmige Rennstrecke vor.
Nach dem fliegenden Start werden 15 Runden gefahren, wer zuerst ankommt, hat gewonnen. Rammen, abdrängen, behindern, alles erlaubt.
Was sich dann auf dem Platz abspielt ist ein Fest für alle Sinne: Der Geruch von Gummi, verbranntem Öl und Kupplungsabrieb, das Vibrieren der auspufflosen Motoren, das Knallen der Fehlzündungen, Reifenplatzer, der herumfliegende Schlamm und zu guter letzt funkendes Metall, qualmende Reifen und Motoren. Dass dieser würdevoller Abgang auf dem Weg zum Autohimmel den europäischen KFZ vorenthalten bleibt, ist ein Jammer. (Laut Wikipedia aus Umweltschutzgründen. Angeblich könnte es vorkommen, dass Öl austritt ... )
Es ist ein Spass zu sehen, wieviel Schaden so ein PKW tatsächlich abhält. Dass er nach einem Überschlag immer noch fährt. Dass auch ein Fronttriebler mit einem Vorderreifen noch Kurven fahren kann. Dass ein Kleinwagen mit gebrochender Hinterachse immer noch um die Runden kommt.
Im Gegensatz zum klassischen Demo-Derby, wo einfach geschrotet wird, bis nur noch einer fährt, findet man beim "Figure 8 Derby" deutlich mehr Dynamik, da man vor allem schnell sein will.
Den Thrill erhält der Wettkamp durch die Kreuzung in der Mitte. Vorfahrtsregeln gibt es keine, allerdings ein Tabu: Man darf die Fahrertür nicht rammen. Aber natürlich davor und dahinter :) Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind zum Beispiel, dass alles Glas vom Auto entfernt wird und ein neuen, kleiner Tank eingebaut werden muss. Helm ist auch Pflicht, außerdem wird die Strecke regelmäßig gewässert, damit sie schlammig bleibt und nicht "zu schnell" wird.
Nach den 15 Runden werden die liegengebliebenen Autos herausgezogen und der nächste Vorrundenlauf kommt dran. Die Gewinner haben dann ca. 30 Minunten Zeit ihre Karre fürs Finale, also weitere 15 Runden fit zu machen. Üblicherweise kommen da Hammer und Brecheisen zum Einsatz um die Radkästen wieder freizubiegen und Reifen wechseln zu können.
Im großen und ganzes ein sehr unterhaltsames und ultraamerikansiches Ereignis. Im Vergleich zu den "noblen good family guy Rodeoklientel" mit Cowboyhut gab es hier diesmal viele Basecaps, Bier im Freiverkauf und Leute mit abgetragenen T-Shirts mit dem Spruch got beer? (In Anlehnung an die Schülerkampagne für gesunde Ernährung got milk?
Makaber: Bei Amazon.com gibts jetzt die Herz-Schock-Maschine für zu Hause zum halben Preis. Nur noch 1100 Dollar statt 2000. Mit Sprachanleitung und Bildern, damit wird die Wiederbelebung zum Kinderspiel.
Aus dem Werbetext: It's the latest in essential safety equipment. Fire extinguishers. Seat belts. Airbags. Home security systems. All essential safety equipment to protect yourself and your loved ones.
Die Amerikaner mästen sich erst mit Hambuger zu Tode und sind dann mal wieder auf solches Hightech-Spielzeug angewiesen. Wie wärs mal mit Bewgung und gesunder Ernährung?
Eigenartigerweise gibt es zwar schon über 70 Produktreviews, aber noch keine Gebrauchtgeräte.
Heute mal wieder Probe gehabt. Man, da ist schon echt stark mit solchen krassen Leuten zu spielen, die dann sogar nur noch 2. Garde sein sollen. Bin mal auf die Jazz Band I gespannt.
Jedenfalls bin ich derjenigen der sich dranhängt. Ein Hoch auf den Trompermangel!
Manche Titel sind richtig stark. Rhythmisch ist schwer was los und regelmäßig bis A und "hohem C" in der dritten Trompete. An der ersten gehts dann nochmal locker ne Oktave höher :)
Die Rythmusgruppe ist ein Traum, die spielt wie von CD. Die 5 Saxen in der ersten Reihe sind auch erste Sahne. (Sowas kenne ich ja bisher gar nicht ;)
Das Wochenende werd ich mal wieder fleißig üben, damit ich mich unbeliebt mache *g.
Professor hat zur Probe immer seine Trompete mit. Heute hatte er mal Lust mitzuspielen. Zählte also die Band ein und stand plötzlichen neben und spielte 4. Trompete (wir haben keinen vierten Trompeter). Ja, da war ich schon nervös :) Mit den Einsätzen und so wollte auch nicht klappen, zudem war das Stück noch neu (Blattlesen).
Damit ihr wisst, wo welchem Kaliber ich rede, hab ich mal das Youtube Video rausgesucht, von dessen Existenz ich heute vom Buschfunk erfahren habe. Enjoy!
... aber vor der Vogelgrippe muss man sich schützen. Besonders auf dem Klo des MPB (Music Practise Building), wo ich Dienstag und Donnerstag ja gelegentlich mal vorbeikomme: Poster
Zur Rechtfertigung muss ich sagen, dass die Michigan State University als Agrar-Uni aufgebaut wurde und dies immer auch noch ist (größte der USA), auch wenn nicht alle 45.000 Studis hier Diplom-Bauern werden.
Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich ganze 5 Meilen durch Forschungsfelder, Forschungsställe und Forschungswälder. Vermutlich mit Gen-Mais, Gen-Schweinen und Gen-Vögeln.
Ob ich noch ein Bio-Mensch bin, wenn ich hier 6 Monate nebenan gewohnt habe?
Mein Mitbewohner erzählte mir diese Story kürzlich.
Nachdem sie in Leo's Lodge, der gemütlichen Flachbaukneipe am Highway nebenan, einen Abend lang durchgezecht haben, wollten sie gegen Mitternach zum McDoof gegenüber. Das Restaurant war schon zu, der Drive-Through aber noch offen. Also sind sie dort vorbeigelaufen und wollten bestellen. Aus "Sicherheitsgründen" wird man aber ohne Auto dort nicht bedient.
Als was haben sie gemacht? Sind hergekommen, Auto geholt und sind angedüdelt über die Kreuzung und dann durch den Drive-Through. Im Sinne der Sicherheit sozusagen...
Juhu, da Internet geht wieder. Es bedufte 3 Tage Zeit, 3 ergebnislose Fahrten zur Zweigstelle und 4 Anrufe bei der "Service-Hotline" die eine der höchsten Bestrafungen des Medienzeitalters darstellt.
Abgesehen von dem täglichen Standardspruch "Leider erfahren wir gerade außergewöhnlich viele Anfragen, wir empfehlen ihnen später anzurufen" hört man neben ca. 10...15 Minunten Musik STÄNDIG Werbung für Telefonservice, TV-Kabelservice und so weiter. Natürlich auch It's Comcast, not complex. Da möchte man schon in den Hörer beißen.
Um dahin zu kommen muss man zur Identifizierung gleich am Anfang seine Telefonnummer eintippen. Nunja, ich habe keine. Also tippe ich fünfmal wild auf den Tasten rum in der Hoffnung, dass ich fünf mal eine nichtexistente Nummer eintippe. Dann nämlich erst erbarmt sich die Computerfrau und man bekommt die Option mit einem echtem Menschen zu sprechen.
Doch was ist die Alternative? 10 Minunten zur Comcast-Baracke fahren, 10 Minunten anstehen und dann mit offenbar unfähigen Mitarbeitern sprechen die einem sagen "im System ist alles in Ordnung". Vom Regen in die Traufe....
So richtig weiß ich nicht, woran es genau lag. Comcast vermultich auch nicht, sonst hätten mir 3 Schalter-Leute und 4 Telefonleute nicht immer wieder was anderes erzählt:
- Rechnung war nicht bezahlt
- Falsche Kundennummer aufgeschrieben bekommen
- Falsche Modeminformationen angefordert
....
In ein paar Tagen nimmt Fritjof wohl das Modem hier mit nach Deutschland. Dann muss ich eins kaufen oder mieten und anschließen.... Ich freu mich drauf.
Etwas gutes kann ich der Sache aber noch abgewinnen. Mir wäre nicht mehr aufgefallen, dass es hier dieses neue offene Netzwerk gibt. Ist als Backup nicht schlecht und eignet sich hervorragend für Filesharing, das man ja ungern übers eigene Modem laufen lassen möchte. Tja mit geschnorrten 550kBit/s Downstream fetzt das schon :)
WARNING! To avoid serious eye, hand and other injury, handle as follows:
(1) chill well
(2) DO NOT shake
(3) POINT AWAY FROM SELF AND OTHERS
(4) remove hood
(5) twist stopper out slowly
(6) never use a cork remover.
STOPPER MAY EJECT FORCEFULLY while removing hood or any other time after hood removal. Contains high pressure that increases with warmth or shaking.
Schreibt mir Lösungsvorschläge per Email. Ich veröffentliche diese dann (anonym) mit der Auflösung in sagen wir mal 4...6 Tagen.
Mit diesem griffigem Spruch wirbt hier eine große Telekommunikationsfirma, von der wir unter anderem Internet über Kabel beziehen. Der Vertrag lief bisher auf meinen Wohnungsgefährten Fritjof, der jedoch Samstag nach Hause fliegt.
Heute MIttag sind wir also in die Filiale gefahren und haben das umgemeldet. Ich dachte wir müssten kündigen und neuen Vertrag aufsetzen und und und... aber nein, es war viel einfacher. Ich musste nur meinen Ausweis zeigen, mein flate mate musste nur einmal unterschreiben und das wars angeblich. Bezahlt ist bis Anfang Oktober, ich würde dann die Rechnungen an mich adressiert erhalten. Es war alles so einfach, das ich weder eine Unterschrift leisten musste noch irgendeine Bestätigung oder was auch immer erhalten habe.
Als wir 10 Minunten später zu Hause waren, war die Leitung schon tot. Wir dachten uns erstmal nichts dabei und warteten bis Abends. Leitung immer noch tot.
Stattdessen erhielt ich eine Seite von Comcast angezeigt, die mich aufforderte ein Tool runterzuladen, für welches ich Firewall und VIrenscanner deaktivieren musste. Da unser Router ne FW hat, musste ich mich direkt ans Modem hängen.
Als ich das Tool endlich hatte, stürzte es ab. Nix geht mehr. Fritjof hat zum Glück Handy und rief die Hotline an. Nach vielem Warten und sprachgesteuerten Computermenüs war er endlich soweit, dass sich ein Operator erbarmte. Dieser fand dann raus, dass die Leitung heute Mittag absichtlich stillgelegt worden war. Zuständig wäre dafür die Rechnungsstelle von Comcast. Nach mehreren sinnlosem Hinundherstellen des Gespräches landete er irgendwann in der Warteschleife, wo er nach 15 Minunten aufgab. It's Comcast!
Zum Glück gibts hier immer ein paar ungesicherte Funknetzwerke, sodass ich zum Beispiel trotzdem bloggen kann. Ein Hoch auf die nachlässigen Amerikaner. Übrigens, 95% der Router laufen hier noch auf dem Werksstandardkanal 6 ... ;)
Der Abendplan für Samstag sah ursprünglich ein Demo-Derby vor, wo ich mit Markus hinfahren wollte. (Demo-Derby: Man rammt sich mit alten Autos so lange, bis nur noch eins fahren kann, dessen Fahrer dann Sieger ist).
Wir fragten unsere Neuankömmlinge (wir sind jetzt schon 4 von 8 "neuen" deutschen Praktikanten), ob sie mitkommen wollten. Sie waren aber gerade auf einem Kleinstadtfest in der Nähe und meinten, dort gebe es auch ein Demo-Derby, wo wir nicht so weit fahren müssten. Also Planänderung, Abfahrtszeit verschoben und nach Charlotte gefahren.
Auf dem Messeplatz angekommen fanden sich dort aber eher Leute mit Cowboyhut und Viehänger. Ich werde unserem neuen Olli den Unterschied zwischen Demoderby und Rodeo bei Gelegenheit nochmal erklären müssen... An diesem Abends jedenfalls ging das nicht mehr, denn sie waren vorher schon nach Hause gefahren :)
Wir waren dann beim Rodeo. War auch cool! Disziplinen wir im Fernsehen.
Auf wilden Bullen reiten. Auf wilden Pferden reiten. Junge Stiere, vom gallopierendem Pferd springend, auf den Boden ringen. Inklusive Moderator (auf Pferd) und dem lebensrettenden "Stier-Clown".
Angesichts der Tatsache, dass diese Disziplinen alle einen historischen und vor allem praktischen Hintergrund haben, ist die Einordnung als kulturelles Erbe (wenn auch nicht Kulturerbe... ;)) nicht abwegig.
Das ganze hat Unterhaltungswert für die ganze Familie, sofern man die Wahnsinnigen, die das tun, nicht bemitleidet. Insgesamt war die Veranstaltung eine echt amerikanische Erfahrung. Vorneweg mit Flaggen, Nationalhymne und pathetisch, patriotischer Ansprache. Wer bis dahin noch nicht wusste was das Wort "redneck" bedeutet, hat spätestens dort die Live-Definition bekommen.
Erwähnenswert ist vielleicht noch dass zwar Burger, Hotdogs, Cola und alles andere erhältlich war, aber wie so oft Bier und Rauchen verboten ist. Das soll mal erstmal einer mit einer derartigen Veranstaltung in Deutschland durchkriegen!
Samstag bin ich mit Markus in die Stadt geradelt. Er auf seinem hier erworbenen Rennrad, ich auf ner Schüssel einer Kollegin.
Das Wetter: Sonne pur, klare trockene Luft, 24 Grad... so müssen Wochenenden sein!
Ich hab hier von einem River Trail gelesen, einem Fuß- und Radweg am Fluss mitten durch die Stadt. Diesen fanden wir auch schnell und folgtem ihm. Er führt meist verschlungen direkt am Ufer entlang, weiter stadteinwärts dann auch mal auf Bretterwegen obendrüber... schon cool.
Anfangs fuhren wir noch durch Morast und wilde Wiesen, später dann "Parks", also kurzgemähte Picknick- und Grillplätze mit Parkplatz nebenan. Inklusive Reiher und anderen Wasservögeln, auch Schildkröten (30cm) haben wir gesehen. Ich weiß jetzt auch, wo die vielen Wildgänse herkommen, die immer knapp über unser Haus fliegen.
Naja, anhand der Beschreibung was man "in der Stadt" sehen kann, merkt man schon wie Lansing aussieht. Lansing ist sein eigener Vorort. Meilenweit ausgestreckte und dünnbesiedelte Straßen. In Highway-nähe gelegentlich mit Walmarts und Tankstellen dichter bebaut. Selbst das Regierungsviertel (Lansing ist Landeshauptstadt!) ist ein Witz. (Siehe Karte, Link dazu in der Spalte links). Rings um das großzügig angelegte Viertel mit Capitol, Gerichtsgebäuden, Verwaltungstrankten und Vietnam-Denkmal befinden sich auch nur Vorort: Einzelne Häuser, 1-2 Geschosse, viel Grün. Auf der Karte (Link dahin ist jetzt links im Menü) sieht man das recht eindrucksvoll.
Der Downtown-Distrikt mit seinen Möchtegernhochäusern ist ganze 6 Blöcke groß um am Wochenende total verwaist. Hier kann man Weltuntergangsfilme ganz ohne Straßensperrung drehen. Öde!
Glücklicherweise gibts noch den Oldtown-District, was in etwa der Main-Street entspricht. Das ist die historische Straße im typischen Besiendlungsstil der 1850er. Zum Glücke gehört Lansing zu den Gemeinden die in den letzten Jahren erkannt haben, dass es besser ist diese ursprünglich verwaiste Gegend wiederzuebeleben als sie wegzuplanieren. Jetzt finden sich hier Pubs, Gallerien, Cafe. Man sieht sogar Menschen rumlaufen, richtige Fußwege gibts hier nämlich auch.
Auf jeden Fall müssen wir da mal Abends hin, sieht sehr gemütlich aus.
Ich hab an dem Blog jetzt mal ein bisschen rumgestellt und auf der rechten Seite die Inhalte etwas neu gemacht.
Es gibt jetzt nen direkten Link zu meiner Google-Maps Karte. Und außerdem aktuelle Wetterinformationen für die Weltstadt Lansing, Michigan.
Warum? Erstens, damit ihr neidisch sein könnt, wie viel länger mein Sommer hier geht. Zweitens, damit ihr wisst, wenn hier im Winter Blizzard ist, und ihr euch keine Sorgen mehr machen müsst, wenn ich keine neue Blogeinträge schreibe.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind ein paar Strom- und Internetmasten (alles überirdisch) unter der Schneelast zusammengebrochen und müssen erst wieder aufgerichtet werden.
Mittags gehen wir, also die Kollegen, oft essen. Die Auswahl ist unendlich und es gibt auch zahlreiche Alternativen zu MacBurger und FrittenKing.
Vorgestern waren wir zum Beispiel im Korea House, wo eigentlich auch nur fast Koreanier (jedenfalls Asiaten) speisen, das aber untern den Studies hier wegen den Portionen und den Preisen eigentlich schon ein Klassiker ist.
Heute war ich mit meinem Betreuer beim Äthiopier, das war dann doch schon mal was anderes. Die stark fleischhaltige Küche wird in Form von einem gulaschartigem gekochtem Brei auf einem Fladenbrot serviert. Dazu gibt es noch reichaltig von dem gewöhnungsbedürftigem Sauerteigbrot, von welchem man sich ein Stückchen abreist und damit den Brei "greift" und isst. Und alle von einem großem Teller. Ohne Besteck. Das Händewaschen bleibt nach dem Mahl fast unvermeidlich. Das übliche Schild: Employees must wash hand before returning to work gabs natürlich auch, zusätlich aber noch eine offizielle Anleitung des State of Michigan wie man sich Hände wirklich richtig wäscht. Die fand ich echt so originell, dass ich sie euch glatt nochmal rausgesucht habe.
Heute mal wieder was neuen von meiner Lieblingsbank. Die Chase-Bank. Eigentlich hätte ich innerhalb von 10 Werktagen meine Bankkarte (EC-Karte und gleichzeitig eine Visa-Debit-Kreditkarte) zugeschickt bekommen sollen. Welch Überraschung, war natürlich nicht. Nach 14 Tagen war ich dann am Schalter und fragte nach. Irgendwie konnte dann die Supervisorin vom Supervisor meiner Schalterfrau dann ausfindig machen, dass die Karte abgeschickt worden ist, aber von der Post keine Zustellprobleme gemeldet worden sind. Einige Unregelmäßigkeiten gäbe es noch, meine Adresse sei nach der Eröffnung in der Datei geändert worden, war aber angeblich richtig.
Ich sollte noch ein bisschen warten. Kein Problem, ich stehe gerne am Schalter an.
EIne weitere Woche später kam tatsächlich Post. Aus Neuseeland. Darin war meine Bankkarte. Die Chasebank hatte den Brief folgendermaßen adressiert: Name, Dunckel Road, Lansing, Michigan, Germany. Aus Deutschland wurde der Brief aus mir unerklärlichen Gründen nach Neuseeland weitergeschickt. Die Post dort (Hut ab!) hat das irgendwie gecheckt und statt Deutschland USA drauf geschrieben und neu frankiert. Poststempel ist aus Auckland, NZ. Jedenfalls hab ich jetzt meine Karte.
Markus wartet jetzt auch schon die dritte Woche auf seine Karte. Wir waren vor kurzem in der Bank, standen 20 Minunten am Schalter, kamen vom Supervisor wieder zur Filialleiterin (die kennt uns jetzt persönlich... :) um festzustellen, dass sein Brief nicht zugestellt werden konnte. Die Adresse war aber auch hier komplett richtig. Er bekommt jetzt eine neue Karte ausgestellt...
Die Kartenlosigkeit hat auch immer noch einen lustigen Effekt gehabt. Man muss sich zum Geld abheben ausweisen. Als Identitätsnachweis müssen die Schaltermitarbeiter die drivers licence number aufschreiben, da es ja keine Personalausweise gibt. Jedesmal wenn ich meinen deutschen Personalausweis zeige (der formal ja gar nicht anerkannt werden dürfte, aber wer weiß das schon....) freuen die sich darüber "wie schön bunt der ist" und spielen erstmal mit den Hologrammen.
Beim Versuch die ID Nummer einzugeben stellen die dann fest, dass es mehr Ziffern sind, als im Computer Eingabefelder vorgesehen sind. Standard: "How do I do this?"
Regelmäßig wurden dann Supervisor und Supervisors Supervisor (meistens dann bis zur Filialleitung) hinzugezogen um meinen Idenditätsnachweis im Computer festzuhalten. Ich hab das mit 3 Filialen probiert und jedesmal das gleiche Schauspiel erleben dürfen.
Da es auch für viele m.E. tägliche Bankgeschäfte immer nur eine Person gibt, die meistens gerade krank oder in der Mittagspause ist, frage ich mich: Was können die Leute am Schalter überhaupt? Und wieviele Stunden werden sie ausgebildet, bevor sie dort arbeiten?
Wenn selbst die Filialleiterung in der Zentrale anrufen muss, um die IBAN (Internationale Bankleitzahl) in Erfahrung bringen muss, um mir niemand sagen kann, ob ich im Onlinebanking-Menü Überweisungen kostenfrei ausführen kann.....
Aller 3000 Meilen wird für alte Autos hier Ölwechsel empfohlen. Damit war ich vor dem Wochenendausflug "dran". Praktischerweise flatterte ein 10 Dollar-Rabatt-Gutschein für Ölwechsel vor kurzem in meinen Briefkasten, der eigentlich an einen meiner Vormieter adressiert war.
Der Weg des geringsten Widerstandes führt also direkt zu diesem Laden, der mit schnellem Ölwechsel wirbt. Ein Gebäude, mit drei Spuren zum durchfahren. Ein Typ winkt mich schon von weitem in die Spur zwei und gibt mir Anweisung, wo genau ich zu stehen kommen soll.
Nun wollte ich aussteigen und fragen, wieviel, wielange usw.. als auch schon eine Mitarbeiterin an meinem Fenster aufkreuzte. Standardöl kostet 30 Dollar, Synthetiköle sind mit Preis nach oben offen, aber ich fahre ja einen Geo, keine Viper. Also Standard.
Nach meinem OK gibt die Mitarbeiterin Anweisungen im Sekundentakt. Motorhaube lösen, links blinken, Motor anlassen, ausmachen, Rückwärtsgang einlegen usw.... Gleichzeitig springen 2 ölverschmierte Mechaniker ums Auto und rufen jedesmal laut "Check" wenn der Blinker auch blinkt. Die Geschwindigkeit dieser synchronisierten Prozedur war atemberaubend.
Ein dritter Mechaniker schraubte schon von unten am Ölablass rum, dafür gab es extra einen Gang und Zugang durch den Fußboden.
Scheibenwischwasser aufgefüllt, Getriebeschmierung geprüft, Ölfilter getauscht, Kühlerwasser und Luftfilter geprüft. (Bis dahin wusste ich garnicht, was an einem Auto so alles dran ist... :-))
Da mein Luftfilter angeblich verdreckt und mein Kühlerwasser rostig sei, wurden entsprechende Tausch und Antikorrosionsbehandlungen sofort mit unverbindlich angeboten. Bin aber kein Freund von Autotürgeschäften, weshalb ich es beim Ölwechsel belies.
Ich erhielt ein Protokoll und Status der ganzen Prüfungen, eInen Erinnerungsaufkleber für die WIndschutzscheibe und der Mechaniker kam mit meinem Ölmessstab ans Fenster, um zu zeigen, wie voll und sauber (neu) der Ölstand ist.
Abgesehen von der großartigen Show, die die komplett schwarzen Mechaniker (Hautfarbe und Öl) in Boxenstopmanier ablieferten, habe ich in weniger als 10 Minuten für 20 Dollar einen Ölwechsel bekommen. Neues Öl, Entsorgung und Arbeit inklusive.