Donnerstag, 29. November 2007

Road Trip Stories

Jaja, es wird Zeit für ein paar Berichte und Bilder. Montag war Heimatkundeabend bei uns in der WG, da haben wir alle Michael Moores Roger and me gesehen, seine erste Doku über den Niedergang der Automobilindustrie in Flint, Michigan. Das war in den 80ern. Heute gehts dieser Stadt offenbar immer noch nicht besser. Kürzlich kam dieses Nest in der US-Kriminalstatikstik auf den 3. Platz hinter Detroit und Saint Louis.
Jedenfalls kam entgegen oft gehörter Empfehlungen der Wunsch unsererseits auf Flint doch mal zu besuchen (Ich hätte die Top3 dann vollständig;).
So lange ein Deutschland-Tourist nicht in Hoyerwerda war, kann er auch nicht behaupten, er hat alles von Sachsen gesehen, richtig?

Übernächste Woche kommt dann ein neuer Heimatkundefilm: Eight Mile. Der passende Ausflug nach Detroit ist für Sonntag in Planung :)

Aber zurück zum Kurzausflug. Mittwoch nach dem Mittag fuhren wir gerade Richtung Süden. Wie versprochen war der Verkehr dicht und es regnete fast die ganzen acht Stunden lang, aber es rollte.


Gegen 10 Abends erreichten wir Saint Louis wo wir bei Jenny und Darla, Gastgeschwister von Maria, Quartier bezogen.
Das Quartier war übrigens ein Loft mit 2 Zimmern in der neunten Etage eines schick hergerichteten Hauses Dowtown. Auf dem Dach gibts ein Fitnessraum, Pool, Fernsehlounge und einen großartigen Blick auf den Saint Louis Arch. Die größte Frechheit ist jedoch nicht, dass andere Leute so stylisch wohnen, sondern dass unsere Bruchbude im kaffigen Lansing genausoviel Miete kostet wie ein 2-bedroom-loft downtown Saint Louis.



Am nächsten Morgen gings zeitig raus, da ich das Auto umparken musste, da man nur bis um sieben kostenfrei an der Straße parken darf. Jenny und Darla mussten auch zeitig los nach Hause zur Familie, da fing der Tag wenigsten zeitig an.
Draußen, quasi vor der Tür, war große Parade. Bei 0 Grad und steifer Briese in den Hochhausschluchten waren die Leute dick eingepackt und mit heißer Schokolade angereist. Schlechter vorbereitet waren da die zahlreichen High School Marching Bands und ganz besonders deren Fahnenmädels, die handschuhlos an den Metallpfosten nur aufgrund des Zitterns noch nicht festgefroren waren.
Im Gegensatz zu Michigan war es vier Tage vor unserer Ankunft da im Süden noch 25 Grad warm und der Winter hatte gerade erst zugeschlagen.



Wir bestaunten nun die in einer Parade üblichen Bands, Polizeiautos, Politier, gigantische Heliumgefüllte Tiere, Rennautos, Motorrad-Rockerbanden und zahlreiche Miss Sonstewas.



Von der Parade war es dann nur noch ein Katzensprung zum Misissippi, wo auch das Wahrzeichen, der gigantische Arch steht.



Gegen 11 stiegen wir ins Auto zur Weiterreise und freuten uns fürstlich über die Motorwärme. Beim Ausfahren aus der Stadt konnten wir auch gleich nochmal unsere Großstadttauglichkeit ins Sachen Nerven und Verkehrsfluss testen. Express lane, business route und 5 stöckige Interstate-Kreuzungen sind da schon lange kein Geheimnis mehr für mich.
Weitere Testgelände waren Chicago und Kansas City auf der Rückreise, sowie Denver, Salt Lake City und Las Vegas aus vergangenen Trainingseinheiten.



Die folgenden 5 Stunden führten uns unspektakulär durch den Bundesstaat Missouri, wo wir an 3 Abfahrten herunterfahren mussten, bevor wir endlich ein offenes Fastfood-Restaurant (Danke Wendys) gefunden hatten. Gut, es ist Feiertag, aber ein so flächendeckendes Schließen von lebenserhaltenden Dienstleistern habe ich noch nie erlebt.

Pünktlich mit dem Betreten von des Bundesstaates Kansas kam die Sonne hervor und kurze Zeit später waren Wolken ganz weg. So kenne ich das :-)
Noch kurze Zeit später standen wir in einem echten Stau. Schwerer Unfall, Auto auf die Gegenfahrbahn geraten, Überschlag, zwei Hubschrauber, drei Feuerwehren und das ganze Arsenal an Sheriff, Police, High Way Troopers und Unfallforschung war anwesend.
Obwohl ringsum NICHTS war, weder Zäune noch Leitplanken (wie überall) standen wir da wohl ne dreiviertel Stunde rum, und das so kurz vor dem Ziel.

Im dunkel kamen wir dann bei meinen Gasteltern an, wo sich die ganze Familie noch vom Festessen versammelt hatte und wir wir einen sehr lustigen und turbolenten Abend verbrachten.

Freitag Morgen gingen wir auf Ziegenjagd. Ein paar Ziegenböcke (auf der Ziegenfarm meiner Gasteltern) bedurften fußkosmetischer Maßnahmen, entzogen sich aber aufgrund eingeschränkter Mobilität und Agilität meiner Gasteltern dem Zugriff. Ausgerüstet mit warmen Arbeitsoveralls (ja, es waren echte stinkende Böcke) haben wir alle nacheinander fangen können. So bekamen wir auch gleich eine kleinen Rundgang durch die Farm.




Um Markus noch ein bisschen was touristisches zu bieten sind wir in ein Nachbarort gefahren (50km) und haben uns dort in den "National Grasslands" (also ein National Park ohne Bäume...) ein bisschen echtes Nichts angeschaut.



(Stimmt nicht ganz. Im Hintergrund sieht man später angepflanzte Bäume sowie eine Schule(!))

Auf der Rückreise ging es dann noch durch Cottonwood Falls, ein kleines unschuldiges Nest das sämtliche Klischees erfüllt. Zum Beispiel dass man argwöhnisch angeschaut wird, aber trotzdem von jedem gegrüßt wird.
Achja, am nächsten Tag gabs das große Country Christmas. Das kommen die 200 Einwohner auf die Mainstreet und zünden den Weihnachtbaum an, haben dann eine Tombola und gehen hinterher zum Fruit Cake Toss. (Was es genau mit dem Umherwerfen von Früchtekuchen auf sich hat und inwiefern das im Bezug zur Bibel steht ist mich nicht klar, es ist auf jeden Fall aber ein klares small town thing.



Der nächste Morgen begrüßte uns mit 5cm Neuschnee, der aber schnell dahinschmolz. Da wohnt man nun in Michigan, einem der Froststaaten und fährt mal für 2 Tage nach Kansas.... und Schwupps.
Der Tagesausflug ging dann diesmal in die andere Richtung zu einem erst kürzlich eröffneten Museum in einem Salzbergwerk. Wir sind 45 Minunten gefahren und haben zwischen den beiden Orten exakt 2 Straßen benutzt und sind einmal abgebogen. Kansas eben.
Das Museum war ganz witzig aber nicht sonderlich aufregend.
Besonders witzig fand ich den obligatorischen Souvenirladen mit den obligatorischen T-Shirt mit Minenaufdruck. Wer aber mal wirklich richtig Untertageaction haben möchte, dem empfehle ich das Silberbergwerk in Freiberg!
Der Abend wurde mit intensiven Football-Schauen verbracht.

Sonntag morgen. Abschied. Rückfahrt antreten. 14 Stunden reine Fahrzeit. Der ursprüngliche Plan war nur einen Teil zu fahren und von einem billigen Motel bei Chicago den Rest so zeitig am Morgen zu fahren, dass wir direkt zur Arbeit kommen.
Zuerst ging es durch Nebel der die Landschaft mit zauberhaftem Reif überzog. Bis nach Kansas City waren es 2,5 Stunden. Der Verkehr war angenehmerweise so dünn, dass ich in dieser Zeit vielleicht 10x die linke Spur genutzt habe und 4x das Bremspedal. Das nenne ich relaxtes Autofahren.

Durch Kansas City hindurch weiter gerade Richtung Norden bis zur Hauptstadt von Iowa: Des Moines. Hiermit hatten wir nebst Michigan, Indiana, Illinois, Missouri, Kansas unseren sechsten Bundesstaat abgehakt.
14:00 waren wir auf der Interstate 80, eine der Hauptverkehrsschlagadern in Ost-West-Richtung, die auch geradzu bis nach Chicago führt. Und da ging das Gehacke auch schon los. Autos dicht an dicht. Aus Sicherheitsabständen wurden nur noch Abstände. Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden kollektiv um mindestens 15 Meilen pro Stunde nach oben korrigiert und auf der linken Spur drängelten sich ständig die LKWs rein und verursachten üble Bremsattacken. Stress pur - und nur noch 5 Stunden bis Chicago!

Die sonst so gemütlich fahrenden Amerikaner fingen hier im Reisestress plötzlich an durchzudrehen. Sobald man sich einen Sicherheitsabstand ließ, zog jemand rein, nachdem er beim Rechtsüberholen den Stinkefinger gezeigt und gehupt hatte.

Glücklicherweise verlor sich der Verkehr nach einem Stau mehr und mehr und man fuhr wieder mit der landesweit üblichen Geschwindigkeit von 5..10 Meilen pro Stunden über dem Limit. Da waren es nur noch drei Stunden bis Chicago. Das gab uns Gelegenheit uns das schöne Iowa anzuschauen.
Iowa ist sowas wie Kanas, nur mit mehr Hügeln und mehr Farms, ansonsten aber nichts drin.
Wenn ich 5 Stunden von Dresden nach München fahre, da kommen so psychologisch wirkende Zwischenetappen: Chemnitz, Vogtland, Hof, Regensburg, A9... kleine Schritte zum Ziel.
Hier verlässt man Des Moines und als nächstes kommt Chicago. Dazwischen sieht es fünf Stunden so aus:



Und so:



Zum Glück wars dann bald dunkel... das war abwechslungsreicher.
Als wir uns Chicago näherten hatten wir irgendwie das "Wir-sind-da"-Gefühl und es stand fest, dass wir durchfahren. Ein Mahlzeitenstopp bei Hardees beschwerte uns einen großen Burger, mit Pommes Frites und ner Cola (was sonst?).
Vom Wir-sind-fast-da-Ort waren es dann nur noch lächerliche 3 1/2 Stunden bis Lansing. Zuzüglicher einer Stunde Zeitzonenkorrektur waren wir Montag morgen um eins wieder da und entfalteten uns langsam aus den Autositzen.

Stolzerweise muss ich nochmal mein 14 Jahre altes Meftl mit Tachostand 225.000km erwähnen, dass uns auf diesem Wochenendausflug nicht im Stich gelassen hat und sich mit sparsamen 6..7 l/100km begnügt hat.

Dass die Amis hier mal schnell quer durchs Land fahren ist total normal. Auf dem Parkplatz vom Salzbergwerksmuseum fanden wir von ca. 40 Autos 9 aus anderen Staaten abgesehen von Kansas. Die eine Lady im Souvenirladen erzählte uns, dass sie Weihnachten immer nach Washington DC fährt. 22 Stunden, und zwar durch!
Oder unser Kollege, der im Alleingang die Familie an der Ostküste besucht hat. Donnerstag hin, Samstag zurück. 13 Stunden pro Strecke.

Dagegen sind wir Europäer doche Weicheier und elende Spritgeizer!

Montag, 26. November 2007

3328 km

2 x 8 Stunden Hinfahrt am Mittwoch und Donnerstag, Rückfahrt 15 Stunden am Stück am Sonntag.
Das entspricht Hamburg - Rom und zurück übers lange Wochenende. Und damit fährt man hier gerade mal von Michigan bis in den Mittleren Westen (oder an die Ostküste). Was die guten Amerikaner nicht davon abhält, derartige (und längere) Wochenendeausflüge zu unternehmen.

Ich hab fürs erste genug, muss meine Hände aus der Lenkradstarre entkrampfen. Und ich brauch dringend Schlaf. Gute Nacht!

Mittwoch, 21. November 2007

Auf in den Westen!

Donnerstag ist Thanksgiving, also ein Nationaler Feiertag, den mein Arbeitgeber anrechnet. Es gibt nämlich auch Nationale Feiertage, die die Arbeitgeber nicht anrechen. Das heisst, wenn man es ganz doof erwischt arbeitet man ohne Krankenversicherung, mit 6... 12 Tagen Urlaub im Jahr und ganz ohne Feiertage.
Allerdings sind die Arbeitsbedingungen aufgrund des deutsches Einschlags für amerikanische Verhältnise human, für den Freitag wird sogar ein Brückentag geopfert. Das macht also 4 Tage frei.
Der Plan sieht vor übers Wochenende mal schnell nach Kansas runterzufahren und meiner Gastfamile das Haus zu besetzen. Da man 1425km (=14 Stunden) aber ungern am Stück fahren möchte, ist ein Zwischenstop in St. Louis geplant. Wir (Markus undich) fahren also Mittwoch nach der Arbeit los und sollten dann nach Privatübernachtung Donnerstag zum Truthanessen am Ziel sein.
Sonntag gehts dann in einer Hauruckaktion wieder 1425km zurück. Vielleicht auch mit Übernachtung... mal schauen, wie die Fahrmoral aussieht.

Alle erzählen vom großen Reiseverkehr, sogar das immer beschworene schlechte Wetter ("Thanksgiving schneits immer!") hat sich angekündigt. Aber bei Plusgraden, also wahrscheinlich eher unkritisch.
Wir haben alles wichtige dabei, für den Fall das es nicht nach Plan A läuft: die Kreditkarte :)

Dienstag, 20. November 2007

Brot ist nicht Brot

Was der Durschnittstourist beim Besuch in den USA zuerst vermisst, ist "ordentliches" Brot. Das habe ich selbst oft erfahren, beobachtet und zuletzt auch von einigen Praktikanten bestätigt bekommen.
Was man hier in 100 Varianten kaufen kann ist in unserem Verständnis klanschiges Toastbrot. Vorgeschnitten, Tage alt, ungetoasted ungenießbar. Allem voran das Classic American White Butter Toast, das wahrscheinlich einzige Gebäck mit negativem Nährwert. Eine Scheibe davon verringert vermutlich die Lebenserwartung um einen Tag.
Ich mache beim Brotkauf immer einen Zieharmonikatest. Lässt sich das "Brot" zusammenknietschen, dann taugt es nicht.

Die Brotauswahl im Meijer

Glücklicherweise gibt es eine räuberische Backfirma namens Zingermans , die sich wohl mal europäische Bäcker als Geiseln gehalten haben und die Backrezepte erschlichen haben. Jedenfalls backen die richtig gutes Brot, sogar besser als ich es in Dresden kaufen könnte. Nur wollen diese Gauner dafür Unsummen kassieren. 6 Dollar für ein kleines Anderthalbpfünder!
Wenn es nicht mehr frisch ist (was meistens der Fall ist, da die Bäckerei weiter weg ist), bekommen wir es beim Goodrich immerhin für 5 Mäuse, vorrausgesetzt, unsere Sorten sind da (Sauerteig oder Roggenbrot). Die gute Nachricht: Diese Brote schmecken auch noch nach 5 Tagen gut.

Nochmal die Quickfacts:

Zingermans Jewish Rye, 1,5 Pfund, 6 Dollar, Zutaten: Weizen- und Roggemehl, Wasser, Salz, Hefe, gemahlener Kümmen

Exemplarisch für 500 ungenießbare Brotsorten:
Nickles Country Style Split Toph White Bread, 1 Pfund, 1 Dollar, Zutaten: Weizenmehl, Niacin, Eisen, Thiaminmononitrat, Riboflavin, Folsäure, Wasser, Fructosesirup, Weizengluten, Kartoffelmehl, Hefe, Sojafasern, Sojaöl, Salz, Buttermilcharoma, Kalziumpropionat, Hefenährmittel: Kalziumsulfat, Natriumchlorid, Ammoniumchloir), Teigbinder: Natriumstearoy Lactalyt, Mono- und Diglyceride, Ascorbinsäure

Während bei Zingerman draufsteht, dass es einfach ein gutes Brot ist, findet man bei Nickles folgende Informationen:
- Enthält keine ungesättigten Transfettsäuren (die bösen aus der Magerine)
- Gute Quelle für Folsäure
- Folsäure reduziert die Gefahr, dass Frauen Kinder mit Gehirn- oder Wirbelsäulenschäden gebären

Mh... lecker, schmeck mir gleich viel gesünder....

Montag, 19. November 2007

Weniger dauert länger

Teil 2 meiner Reiseplanung:

Just als ich mich für den Flug ab Flint mit Umstieg in Detroit entschlossen hatte und buchen wollte, bekam ich eine Meldung, dass mir versehentlich falsche Preise angezeigt wurden. Der Flug würde jetzt 200 Dollar kosten.

Neue Recherchen ergaben einen Direktflug ab Chicago für 130 Dollar. Anreise mit Zug wäre toll, der ist auch noch so billig, dass die Verbindung immer noch preiswerter wäre als Bus nach und Flug ab Detroit. Die Umsteigezeit von Zug auf Flug wäre laut Fahrplan mehr als 3 Stunden, die S-Bahn-Fahrt zum Flughafen passt nach noch voll inden Zeitplan.
Glücklicherweise bin ich sehr vorsichtig und bin zum Bahnhofsgebäude - baracke. Am dritten Tag traf ich endlich den (einzigen) Bahnhofsvorsteher an, nachdem sonst immer, trotz regulärer Öffnungszeit ein Schild im Schalterfenster hing: Bin in einer Stunde zurück. (Es war nicht Mittag!)
Der riet mir von der Aktion ab, da die Züge nach Chicago bei 4 Stunden Fahrzeit regelmäßig zwischen einer und zwei Stunden Verspätung akkumulieren. Auf der Website hab ich dann die Verspätungen der letzten noch einmal geprüft, wo sich bestätigt hat, dass der Zug NIE pünktlich ist.

Neue Option: Greyhound, die amerikanische Fernbusgesellschaft. Die Website spuckte weder Fahrplan noch Preise aus, da ein anderer Betreiber die Linie betreut. Bei www.indiantrails.com auf der Website konnte man zwar erfahren wie umweltfreundlich das Unternehmen ist, wie toll der Kundenservice ist und dass man regelmäßig zwischen den großen Städten in Michigan und Umgebung Linienverkehr anbiete, aber man konnte weder ein Liniennetz, einen Fahrplan oder noch eine Fahrpreistabelle bekommen. Da muss man anrufen oder Email schreiben...
Also doch lieber direkt vor Ort klären. In East Lansing gibt es ein Busbüro vom Michigan Flyer, das ist der Detroit-Airport-Express von Lansing, der wiederrum auch von Indiantrails betrieben wird. Dort bin ich hin und wollte Auskünfte. Für die 6 Busse, die täglich ab Lansing fahren sitzten dort doch ernsthaft 5! Mitarbeiter in einem großen Büro und nehmen Bestellungen und so ein Kram an und erklären den Leuten am Telefon, wie man Bus fährt.
(Dabei kann Busfahren doch so einfach sein. Warten, Einsteigen, Bezahlen, Ankommen. Dazu bräuchte man ja aber Fahrpläne an den Haltestellen... und das verhindert Arbeitsplätze)

Mit der Vermutung, dass ich in diesem Glaspalast brauchbare Informationen bekommen würde, lag ich natürlich falsch. Man habe überhaupt keine Ahnung, wie man mit dem Bus nach Chicago kommt. Das ist die Muttergesellschaft und mit denen habe man nichts zu tun. Einige Telefongespräche der Mitarbeiter brachten zutage, dass das nächste Büro in Owassa, Michigan ist. Wo auch immer da sein mag, ich fahr nicht hin.

Also zurück zum Bahnhof und nochmal nachgefragt. Der Schalterman meinte, dass direkt nebenan das Busfenster sei. Tatsächlich, 2 Meter weiter war noch ein Schalter. Ohne Beschriftung oder sonstewas. Hinter der Scheibe war eine kleine Rumpelbude, ein zugestelltes Büro. Auf einem Drehstuhl saß (hing) ein Typ den ich der Kleidung nach als Hausmeister angesprochen, Füße auf dem Tisch und ratze vor sich in. Nachdem ich ihn aufgeweckte hatte, blieb er genau in dieser Haltung sitzen, hatte aber die Güte die Augen zu öffenen, während er mit mir redete.
Bingo... dieser Schalter war das "Busterminal" von Lansing. Draußen ist das Greyhound-Symbol, in Wirklichkeit ist aber alles Indiantrails-Gesellschaft. Busfahren nach Chicago ist viel teuer als Bahnfahren, dauert länger (6 Stunden) und geht früh um 6 schon los. Der Preisvorteil gegenüber Detroit ist außerdem fast hin, vom Reisekomfort gar nicht zu sprechen.

Die Quintessenz war: Ich fahre mit dem Flughafenexpress nach Detroit und fliege von dort mit Umstieg in Chicago nach Kansas City. Auf das große verbleibende Risiko machten mich die Angestellten hier aufmerksam. Wenn es schneien sollte, dann richtig. Besonders im Weihnachtsreiseverkehr kommt dann alles zum Erliegen und es droht das totale Chaos.
Je nach Wetterlage wird Detroit für Chicago als Ausweichflughafen verwendet und andersherum. Gut wenn man beide Flughäfen auf dem Flugplan hat :)

Schon wieder Kultur

Ein Wochenende ohne Aufregung und Planung liegt wieder einmal hinter mir. Ich denke das ist auch dem Wetter geschuldet, dass man nicht mehr wöchentlich an den Lake Michigan fährt :)

Freitag hat die Operngruppe und das Kammerorchester der Universität Aschenputtel von Rossini aufgeführt. Das hat mich natürlich gereizt und habe sogar ein paar Kollegen zum mitkommen gewinnen können. (Ja, die haben jetzt auch ihr erstes Mal hinter sich gebracht. )
Eintritt war studentisch: 10 Dollar. Der riesige Saal war mit den 300 Zuschauern deutlich unterbelegt und leider war die Akkustik recht schwierig. Moderate Umschreibung für: Der Saal war für unverstärkte Stimmen völlig ungeeignet, besonders wenn Fremdsprachler einen geträllerten Text verstehen wollen.
Zum Glück wusste ich worum es geht, denn ich hatte die Oper schon in der Semperoper gesehen und in der zweiten Hälfte hat man die bereitstehenden Mikrofone dann angemacht.
Trotzdem sehr schön und eindrucksvoll.

Samstag Abend spielte nun endlich das Sinfonieorchester, dem ich schon ein Weilchen hinterherjage. Eintritt diesmal wieder frei. Meine Kollegen hatte ich mit Kultur vorerst abgesättigt, sodass ich alleine unterwegs war. Der erste Teil war modern gehalten und es gab eine Uraufführung für ein Konzert für Violine und Klarinette... zauberhaft (ganz ernst!). Nach der Pause wurde es noch klassischer und Beethovens Fünfte wurde gegeben.
Als verzogener Dresdner kann man den Unterschied zu einem Profiorchester natürlich hören, was mir den Genuss an der Musik aber nicht trübte.

Am Sonntag dann wurde kurzerhand wegen schönen Wetters ein Kurzausflug gestartet, der uns ein paar Meilen nördlich von hier in den Tierpark verschlug. Dort stellten wir fest, dass keiner hingeht und der Eintritt von November bis Februar kostenlos ist. (Streichelzoo und Pony-Reiten war leider geschlossen.. schluchz).

Freitag, 16. November 2007

So ein Quark

Heute habe ich eine Eierschecke gebacken, wenn man die von vor 5 Jahren nicht mitzählt, war es mein erster Backversuch, der durch verschiedene Randbedingungen erschwert wurde:
- Ich backe fast nie, mir fehlt also die Routine.
- Rezepte gibt es im Internet hundertfach, aber alle sind verschieden und variieren so teilweise um das Zwei- bis Dreifache.
- Die Angaben sind in europäischen Angaben gemacht. Maße wie ein halbes Stück Butter oder ein Päckchen Puddingpulver sind hier komplett anders. Ein Stück Butter wiegt ein Viertel amerikanisches Pfund (~110g), ist also viel weniger.
- Wir haben weder metrische Messbecher noch eine Waage im Haus, nur ein Cup ("Messtasse"), das ist eine offizielle, gesetzlich definierte Backeinheit in der amerikanischen Küche, die sich auf 240ml beläuft.
Dank einer tollen Internetseite konnte man aus einer umfangreichen Datenbank Lebensmittel wählen und dank einprogrammierter Massedichte präzise Umrechnungen von metrischen Massemaßen in amerikanische Volumenmaße vornehmen.
(Dem Ingeniör... ). Die Zukunft wird definitiv die Küche mit Internetanschluß sein!

Ein letzte Problem ergab sich bei den Zutaten: In die Eierschecke muss Quark rein. Wer nun naiv sein Wörterbuch zurate zieht und mit dem Wort "cottage cheese" im Hinterkopf Richtung Supermarkt zieht wird am Kühlregal vor die Entscheidung gestellt: Mit grober Körnung oder mit feiner Körnung? Spätestens dann wird klar, dass es Übersetzungsprobleme gibt, nämlich dass Quark hier kein übliches Produkt ist und es deswegen kein geläufiges Wort gibt. Am nächsten von der Erzeugungsprozedur kommt dem dann schon der Cottage Cheese (bei uns gelegentlich zu finden als Hüttenkäse), der aber schon ein Schritt reifer auf dem Weg zu Käse ist, als unser schöner Quark.
Ich hab deswegen den Cottage Cheese in einen Mixer getan und zu einem cremigen Brei zerschlagen und dann verwendet, passte von der Konsitenz ganz gut.

Die Eierschecke war geschmacklich gut. Der Boden (Hefeteig) knüppelhart und die Quarkfüllung nicht richtig fest geworden... da muss ich nochmal üben.
Ein Kollege aus Deutschland sagte, er hätte hier Quark in der Russlandabteilung des International Food Spezialladens gefunden. Wer sucht der findet.

Donnerstag, 15. November 2007

Speedshopping leicht gemacht

Morgen will ich versuchen eine Eierschecke zu backen und dafür wollte ich heute die Zutaten noch kaufen. Da ich erst sehr spät von Arbeit gekommen bin (Tag der offenen Tür) und erst gegen 9:15 eine fertige Zutatenliste zusammengestellt hatte UND aber gegen 10 vor Fernseher sitzen wollte, um eine brandneue Folge von Southpark zu schauen war Speedshopping angesagt.

Wenn man schnell was braucht, geht man eigentlich zu Aldi. Wenn man Glück hat sind nur 2...3 Leute drin und man kann außerdem in 60 Sekunden den Landen durchlaufen. Mein Rekord von Eingang zu Ausgang waren 7 Artikel in 3 Minunten. Aber Aldi macht um 8 zu.

Also doch zu Meijer. Mitterweile kann jeder von uns bezeugen, den langsamsten Kassierer/Kassiererin auf der Welt schon einmal erwischt zu haben. Meistens ist das auch mit schwerwiegender Dummheit gekoppelt.
Letztens hat Markus mehr als 15 Minute gewartet, bis die eine Person in der Schlage vorher abkassiert war. Unter anderem wurde eine Palette mit identischem Joghurtbechern gekauft. Folgendes lief ab:

Kassierer nimmt einen Becher aus der Palette und versucht ihn über den feststehenden Scanner zu ziehen. Es biept aber nicht. Nach einigem hektischem, ungeplantem Handverenken stellt er den Becher in die Palette zurück und nimmt den Handscanner. Erfolg: Biep.
Kassierer nimmt zweiten Becher aus der Palette, wiederholt Prozedur. Herumfuchteln, Verenken - wird nicht. Handscanner: Erfolg!
Dritter Becher: Kassierer nimmt Becher aus Palette [...] geht nicht [...] Handscanner [...] Erfolg.
Falls ihr glaubt, dass bei Becher 10 oder so spätestens den höheren Säugetieren zugesprochenes Lernvermögen benutzt wurde, muss ich enttäuschen. Der Typ hat die komplette Palette so gescannt.
Logischerweise wäre es einfacher und schneller gewesen alle Becher mit dem Handscanner hintereinander abzuscannen. Ganz zu schweigen, einfach einen Becher zu scannen und die Anzahl einzugeben. Aber ich will mal nicht zuviel verlangen, das war vermutlich nicht Bestandteil der 10-minütigen Arbeitseinweisung.

Dazu kommt, dass die Kassierer die Sachen ja noch im Schildkrötentempo in Plastiktüten verpacken und gelgentich einfach mal eine halbe Minute im Stillstand verharren, wenn sie gerade nachdenken, welcher Schritt als nächstes kommt.
Ehrlich, diese Kassiererbande ist eine Zumutung, von denen würde in Deutschland niemand an der Kasse sitzen dürfen.

Deshalb habe ich heute mal was probiert, was ich bisher noch gar nicht so wahrgenommen hatte: Die Selbstkasse, man scannt seine Artikel selbst ab. (Fast) idiotensicher, bildschirm- und sprachgesteuert. Der Trick dabei, man scannt seinen Artikel und muss ihn anschließend links vom Scanner in den Plastiksack legen, sonst geht es nicht weiter. Dabei prüft eine interne Waage unter der Eintüt-Ecke, ob das soeben hingelegte Gewicht mit dem abgescannten Produkt übereinstimmt. Solange man nichts in die Tüten packt, kann man den nächsten Artikel nicht abscannen.
Natürlich hält das einen nicht davon ab Artikel überhaupt nicht zu scannen, dazu müsste man sie aber entweder direkt in seinen Korb legen (ohne Tüte, das fällt auf), oder dort überhaut nicht erst rausnehmen. Dafür steht einen Kassiererin da, die die 6 Selbstkassen überwacht. Bezahlung geht übrigens mit EC-Karte, Kreditkarte, Cash und sogar der alte Scheck wird akzeptiert.

Fazit: Fetzt, keine Anstellschlangen und es ist so schnell, wie man es selbst nicht besser machen könnte :)

Mittwoch, 14. November 2007

Thermoteum Domile

Unsere Wohnung heizt sich selbst! Obwohl hier regelmäßig Nachfröste sind und auch sonst die Temperaturen nur noch selten die 10 Grad überschreiten haben wir gemütliche Temperaturen, ohne die Heizung anzumachen. Fensterahmen aus Alublech, Gipskartonwände und klappernde Fensterscheiben würden eigentlich anderes erwarten lassen.

Offenbar wird in diesem Haus so viel Energie verbraten, dass die Abwärme für uns noch zum Heizen reicht. Freut uns, Strom zahlen wir nämlich selbst.
Auch das Treppenhaus ist immer bullig warm, das freut uns auch, da kann man mit offener Wohnungstür heizen.
Alleine unser Kühlschrank und Gefrierwürfel haben sicherlich 200W Heizleistung.
Jedenfalls sollte man Butter nur in hochwandigen Gefäßen drauf stehen lassen.

Nur für 2 Tage hatten wir mal die Heizung an, da war es nicht nur frostig sondern auch sehr windig. Da machte es sich schnell bemerkbar, dass man zwischen Balkontür und Rahmen nach draußen schauen kann und ich außerdem eine ungefaltete Zeitung (Komlettausgabe) zwischen Tür und Rahmen durchschieben kann. Es zog nämlich im Wohnzimmer wie verrückt.

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